Forenfreunde,
ich habe gerade eine MA 100 Stereo-Endstufe überholt und jetzt zum Abschluß / Kontrolle durchgemessen. Die Ergebnisse wollte ich mit Euch teilen. Sind ggf. als spätere "Referenz" brauchbar.
Was wurde am MA 100 gemacht?
Auf den Endstufenplatinen beider Kanäle saßen weinrote Roederstein Elkos (47 µF /40 V) im Kunststoffbecher, die rissig waren und fast die gesamte Kapazität verloren hatten, dabei auch sehr hohen ESR zeigten. Die mussten also ersetzt werden. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich die übrigen Elkos auf den Endstufenmodulen erneuert, da es dort ja recht warm zugeht. Nachmessen dieser anderen ersetzten Elkos zeigte: Alle hatten leicht erhöhten Leckstrom, einige etwas erhöhten ESR - also die typischen Alterungszeichen, aber ohne dass sie bereits wirklich defekt gewesen wären.
Ruheströme beider Kanäle wurde nach Reinigung der Ruhestrompotis neu eingestellt. Und die Einstellung der LED-Pegelanzeige kontrolliert.
Das war's...mehr war eigentlich nicht zu machen.
Im ersten Testlauf war der linke Kanal deutlich schlechter (THD 0,03 % bei 1 kHz 50 W/4 Ohm) als der linke (THD 0,0065 %). Nach einiger Zeit wurde er besser und erreichte schliesslich (nach ca. 30 Minuten bei 50 W an 4 Ohm) die Grundig Werksvorgabe von 0,01 % bei 1 kHz 50 W / 4 Ohm). Ich vermute, dass der anfangs schlechtere Wert evtl. auf die Relaiskontakte zurückgeht, die im Laufe der Zeit bei erhöhtem Strom wieder "frei" wurden.
Die Folgenden Messungen hat der MA 100 anschliessend mit ordentlichen Ergebnissen absolviert:
1. THD + N in Abhängigkeit der Ausgangsleistung bei 1 kHz an 4 Ohm:
Es werden mehr als 60 W Ausgangsleistung an 4 Ohm erreicht.
2. Frequenzgang bei 7-8 W an 4 Ohm
links:
rechts:
Bei 20 Hz -0,2 dB
Bei 20 kHz -0,1 dB
Geht voll in Ordnung.
3. THD bei 1 kHz und 50 W an 4 Ohm
links: THD 0,010 %
rechts: THD 0,0065 %
4. Ausgangsimpeadanz und Dämpfungsfaktor
DF > 70 (für 8 Ohm Last) bei f 20 Hz - 1 kHz ist mehr als genügend.
Weitere gemessene Daten:
Fremdspannungsabstand bei 50 W / 4 Ohm = >93 dB
Multiton (31-Ton) Dynamik bei 1 W / 4 Ohm = > 100 dB
Gruß
Reinhard
Grundig MA 100 Messdaten
Moderator: timundstruppi
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Danke Reinhard,
das sieht doch prima aus.
das sieht doch prima aus.
Jede Menge Grundig Zeugs, garniert mit etwas Revox, Braun, Dual und Sony, an 5 Anlagen.
Grundig forever
Grundig forever
- timundstruppi
- Beiträge: 2556
- Registriert: Do 29. Sep 2016, 17:25
- Wohnort: schloss mühlenhof
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Klasse danke!
Die Schalterkontakte der LS-Schalter können auch ursächlich sein. Hier wird die Verschaltung so vorgenommen, dass bei 2-Paar-Betrieb die Lautsprecher eines Kanals in Reihe geschaltet werden, um nicht bei 2 Ohm-Lastimpedanz zu landen.
Die Schalterkontakte der LS-Schalter können auch ursächlich sein. Hier wird die Verschaltung so vorgenommen, dass bei 2-Paar-Betrieb die Lautsprecher eines Kanals in Reihe geschaltet werden, um nicht bei 2 Ohm-Lastimpedanz zu landen.
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Bei Messungen von Vintage-Geräten muss man vorsichtig sein. Das Gerät muss 1a in Schuss sein oder vorher überprüft sein. Sonst misst man irgendwelche Defekte mit.
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Genau deshalb wurde NACH der Instandsetzung gemessen!
Und nachdem ich mich vom ordnungsgemässen Zustand vergewissert hatte.
Ich meine, das hätte ich deutlich genug geschrieben. Aber offenbar muss ich es hier nochmal wiederholen.
Die oben von mir gezeigten Messwerte, die ich deshalb als "ordentliche Ergebnisse" bezeichnet hatte, entsprechen oder übertreffen die von Grundig für die MA 100 Endstufe genannten technischen Daten.
Und noch etwas zu der MA 100 Endstufe:
Beim "hifimuseum" (http://www.hifimuseum.de/4466.html) finden sich zur MA 100 Endstufe (und nicht nur für diese) ärgerliche Nachlässigkeiten und Fehler im Text.
Dort steht (Zitat):
"Der MA 100 hatte 2 Schwächen
Das waren aus unserer Sicht die schwächlichen DIN Buchsen für die Lautsprecher und die Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare.
Sowohl die Schalt-Kontakte wie auch die Relais altern und die Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren. Mit diesen Kontaktproblemen kämpfen die Techniker in den Jahren um 2020."
"Schwächliche DIN-Buchsen"
Es sind ganz normale DIN-Lautsprecherbuchsen verbaut. Nicht schwächliche.
Man kann grundsätzlich DIN-Lautsprecherbuchsen kritisieren - das ist dann aber kein Grundig MA 100 Thema. In Deutschland waren 1981 DIN-Lautsprecherbuchsen Standard und Grundig hat sich daran gehalten.
Da die Lautsprecherbuchsen an der Rückseite aber bündig abschliessen, stehen die gewöhnlichen DIN-Stecker nach hinten ca. 5 cm heraus. Insgesamt hat damit das Gerät+ LS-Stecker eine erhebliche Tiefe, so dass bei der Aufstellung in einem Regal in vielen Fällen die Stecker gegen die Wand gedrückt werden und dabei in der Buchse leicht abgrätschen. Dadurch können die Kontaktfedern in den Buchsen verbiegen, was auf Dauer zu Kontaktstörungen in den LS-Buchsen führt. Das ist eher ein Problem der zu weit hervorstehenden DIN-LS-Stecker. Es gibt auch ganz kleine DIN-LS-Stecker aus dem KFZ-Autoradio-Bereich, die nur 1 cm Platz brauchen. Natürlich hätte man bei Grundig darauf achten können und die Buchsen entsprechend so versenkt anbringen können, dass die Stecker hinten nicht mehr wesentlich herausstehen.
"Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare"
Hätte man sich den MA 100 wenigstens mal angesehen - selbst ein Blick nur in den Schaltplan hätte schon genügt - hätte man feststellen können, dass es überhaupt kein Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare gibt. Vielmehr werden die Lautsprecherpaare beim MA 100 durch manuell betätigte Druck-Schalterkontakte geschaltet (s. auch oben Bemerkung von timundstruppi).
"Sowohl die Schalt-Kontakte wie auch die Relais altern und die Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren."
Und das nur beim MA 100 und bei allen anderen Geräten etwa nicht?
Also wieso soll das dann "eine Schwäche des MA 100" sein? Das ist eine Schwäche bei Kontakten der im Consumer-Audio Bereich verbauten Schalter schlechthin.
Im Lautsprecher-Relais für die Einschaltverzögerung und Lautsprecher-Schutzschaltung sind keine Silber-Kontakte sondern Gold oder haltbare Legierungen anderer Metalle. Man findet keine Silberkontakte in den LS-Relais aber u.U. in den mechanischen Schaltern.
"Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren."
Ich komme nicht umhin, Besserwisser-Modus ein:
Man kann von Korrosion sprechen. Zwar bildet sich auf der Oberfläche von Silber kein Silberoxid aber - wie bei Oma's Silberbesteck - ein dunkler Überzug von Silbersulfid aus den allgegenwärtigen Spuren von Schwefelwasserstoff in der Luft. Das nennt man Sulfidierung, im erweiterten chemischen Sinn (Oxidation = Elektronenabgabe) ist auch die Bezeichnung "Oxidation" dafür richtig (aber nur unter Chemikern gebräuchlich). Vollständiger Blödsinn ist "Sulphatieren", denn das wäre Sulfatbildung (= Salze der Schwefelsäure). Silberoberflächen sulphatieren an der Luft nicht, sie sulfidieren.
Besserwisser-Modus aus.
Sorry, das musste jetzt sein.
Gruß
Reinhard
Und nachdem ich mich vom ordnungsgemässen Zustand vergewissert hatte.
Ich meine, das hätte ich deutlich genug geschrieben. Aber offenbar muss ich es hier nochmal wiederholen.
Die oben von mir gezeigten Messwerte, die ich deshalb als "ordentliche Ergebnisse" bezeichnet hatte, entsprechen oder übertreffen die von Grundig für die MA 100 Endstufe genannten technischen Daten.
Und noch etwas zu der MA 100 Endstufe:
Beim "hifimuseum" (http://www.hifimuseum.de/4466.html) finden sich zur MA 100 Endstufe (und nicht nur für diese) ärgerliche Nachlässigkeiten und Fehler im Text.
Dort steht (Zitat):
"Der MA 100 hatte 2 Schwächen
Das waren aus unserer Sicht die schwächlichen DIN Buchsen für die Lautsprecher und die Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare.
Sowohl die Schalt-Kontakte wie auch die Relais altern und die Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren. Mit diesen Kontaktproblemen kämpfen die Techniker in den Jahren um 2020."
"Schwächliche DIN-Buchsen"
Es sind ganz normale DIN-Lautsprecherbuchsen verbaut. Nicht schwächliche.
Man kann grundsätzlich DIN-Lautsprecherbuchsen kritisieren - das ist dann aber kein Grundig MA 100 Thema. In Deutschland waren 1981 DIN-Lautsprecherbuchsen Standard und Grundig hat sich daran gehalten.
Da die Lautsprecherbuchsen an der Rückseite aber bündig abschliessen, stehen die gewöhnlichen DIN-Stecker nach hinten ca. 5 cm heraus. Insgesamt hat damit das Gerät+ LS-Stecker eine erhebliche Tiefe, so dass bei der Aufstellung in einem Regal in vielen Fällen die Stecker gegen die Wand gedrückt werden und dabei in der Buchse leicht abgrätschen. Dadurch können die Kontaktfedern in den Buchsen verbiegen, was auf Dauer zu Kontaktstörungen in den LS-Buchsen führt. Das ist eher ein Problem der zu weit hervorstehenden DIN-LS-Stecker. Es gibt auch ganz kleine DIN-LS-Stecker aus dem KFZ-Autoradio-Bereich, die nur 1 cm Platz brauchen. Natürlich hätte man bei Grundig darauf achten können und die Buchsen entsprechend so versenkt anbringen können, dass die Stecker hinten nicht mehr wesentlich herausstehen.
"Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare"
Hätte man sich den MA 100 wenigstens mal angesehen - selbst ein Blick nur in den Schaltplan hätte schon genügt - hätte man feststellen können, dass es überhaupt kein Relais für die Umschaltung der beiden Boxenpaare gibt. Vielmehr werden die Lautsprecherpaare beim MA 100 durch manuell betätigte Druck-Schalterkontakte geschaltet (s. auch oben Bemerkung von timundstruppi).
"Sowohl die Schalt-Kontakte wie auch die Relais altern und die Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren."
Und das nur beim MA 100 und bei allen anderen Geräten etwa nicht?
Also wieso soll das dann "eine Schwäche des MA 100" sein? Das ist eine Schwäche bei Kontakten der im Consumer-Audio Bereich verbauten Schalter schlechthin.
Im Lautsprecher-Relais für die Einschaltverzögerung und Lautsprecher-Schutzschaltung sind keine Silber-Kontakte sondern Gold oder haltbare Legierungen anderer Metalle. Man findet keine Silberkontakte in den LS-Relais aber u.U. in den mechanischen Schaltern.
"Silber-Kontakte korrodieren bzw. sulphatieren."
Ich komme nicht umhin, Besserwisser-Modus ein:
Man kann von Korrosion sprechen. Zwar bildet sich auf der Oberfläche von Silber kein Silberoxid aber - wie bei Oma's Silberbesteck - ein dunkler Überzug von Silbersulfid aus den allgegenwärtigen Spuren von Schwefelwasserstoff in der Luft. Das nennt man Sulfidierung, im erweiterten chemischen Sinn (Oxidation = Elektronenabgabe) ist auch die Bezeichnung "Oxidation" dafür richtig (aber nur unter Chemikern gebräuchlich). Vollständiger Blödsinn ist "Sulphatieren", denn das wäre Sulfatbildung (= Salze der Schwefelsäure). Silberoberflächen sulphatieren an der Luft nicht, sie sulfidieren.
Besserwisser-Modus aus.
Sorry, das musste jetzt sein.
Gruß
Reinhard
Zuletzt geändert von oldiefan am Fr 6. Feb 2026, 21:12, insgesamt 2-mal geändert.
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Dafür brauchst Du Dich nicht zu entschuldigen.
Auch die DIN5 Stecker sind besser als ihr (zwischenzeitlicher) Ruf.
Auch die DIN5 Stecker sind besser als ihr (zwischenzeitlicher) Ruf.
Jede Menge Grundig Zeugs, garniert mit etwas Revox, Braun, Dual und Sony, an 5 Anlagen.
Grundig forever
Grundig forever
- timundstruppi
- Beiträge: 2556
- Registriert: Do 29. Sep 2016, 17:25
- Wohnort: schloss mühlenhof
Re: Grundig MA 100 Messdaten
Oldiefan arbeitet sehr sorgfältig und professionell.
Ich habe sehr selten Probleme mit den LS-Buchsen.
Wen dann habe ich Probleme mit Cinch. Mit 5er-Din bei guter alter Quali noch nie welche gehabt.
Ich habe sehr selten Probleme mit den LS-Buchsen.
Wen dann habe ich Probleme mit Cinch. Mit 5er-Din bei guter alter Quali noch nie welche gehabt.